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Komponist ist gefunden, weitere Projektpaten werden gesucht

Am 21. Februar 2020 versammelte sich im Sitzungssaal des Seelzer Rathauses eine bunt gemischte Truppe zur Pressekonferenz. Tom Kruse, Initiator und Leiter des Projekts „Obentraut. Wir schenken Seelze eine Hymne“ hatte eingeladen – bereits im Sommer letzten Jahres beim großen Gemeinschaftskonzert des Jugendblasorchester Seelze (Jbo) auf dem Rathausplatz hatte Tom Kruse die Idee der Auftragskomposition skizziert. Nun, gut ein halbes Jahr später, fällt der offizielle Startschuss.

Tom Kruse begrüßte die Anwesenden: Neben Vertretern der lokalen Presse waren mit Anja Römisch, Geschäftsführerin der Stiftung Kulturregion Hannover, Frank Glaubitz, Avacon Netz GmbH, sowie Detlef Schallhorn, dem Seelzer Bürgermeister, alle Hauptförderer der Einladung gefolgt. Rainer Künnecke, Darsteller des Reitergenerals Michael von Obentraut sowie Norbert Saul vom Stadtarchiv Seelze repräsentierten die historische Fachkompetenz in diesem Projekt und Henning Klingemann, Dirigent des Modern Sound[s] Orchestra (MSO), die musikalische. Mit der stellvertretenden Jbo-Vorsitzenden Andrea Hoppe und Fenja Ruhmann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, waren noch zwei weitere Vertreter des Jbo-Vorstands anwesend.

 

v.l.n.r.: Detlef Schallhorn, Andrea Hoppe, Anja Römisch, Frank Glaubitz, Tom Kruse, Norbert Saul, Henning Klingemann, Rainer Künnecke

 

Los ging es mit einer kurzen Projektvorstellung durch Tom Kruse. Seit gut 15 Jahren spielen die Ensembles des Jbo Originalkompositionen für sinfonisches Blasorchester – den Auftakt bildete zum 10-jährigen Vereinsjubiläum 2004 das Werk „Nostradamus“ des Komponisten Otto. M. Schwarz. Seitdem wagen sich die beiden großen Orchester im Verein – die YoungStars und das MSO – immer wieder an dieses Musikgenre. Die Erfahrung zeigt, dass die musikalische Beschreibung von beispielsweise Personen, Szenen und Landschaften sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum viel Anklang findet. In den vergangenen zwei Jahren entstand dann die Idee, einen Schritt weiter zu gehen und sich ein eigenes Werk schreiben zu lassen – dass die Person des Reitergenerals Michael von Obentraut, Teil der Seelzer Geschichte und mittlerweile fester Bestandteil des Stadtmarketings, themengebend sein sollte, stand schnell fest.

Nach dem positiven Feedback auf die Vorstellung der Idee im Sommer letzten Jahres und den ersten getroffenen Vorbereitungen entschied man, diesen Weg weiterzugehen. Als dann die drei Hauptförderer – die Stiftung Kulturregion Hannover, die Avacon Netz GmbH und die Stadt Seelze – gefunden waren und damit die Finanzierung der Komposition gesichert war fiel die endgültige Entscheidung: Wir nehmen die Herausforderung dieses großen Projekts an!
Dank der Hauptförderer ist ein großer Teil der Finanzierung gesichert. Dennoch werden noch Paten gesucht, um die weiteren Kosten zu decken – denn das Projekt beinhaltet mehr als die reine Ausführung der Kompositionsarbeit. Bei Interesse melden Sie sich gerne unter obentraut(at)jbo-seelze.de.

Zweck der Stiftung Kulturregion Hannover sei die Förderung von Kunst und Kultur in der Region Hannover, erzählte Geschäftsführerin Anja Römisch auf der Pressekonferenz. Die Stiftung erhalte viele Förderanträge, doch der von Tom Kruse eingereichte Antrag sei etwas Besonderes gewesen und habe sie aufhorchen lassen. Das hohe musikalische Niveau des Jbo, seine starke und engagierte Jugendarbeit und die komplexe Idee einer Auftragskomposition mit der starken Verwurzelung in der Regionalgeschichte, die viele Anknüpfungspunkte biete und dadurch Langlebigkeit verspreche, hätten sie schnell überzeugt.

Auch Frank Glaubitz von der Avacon hob das Projekt als identitätsstiftend hervor und betonte die Parallelen zwischen Avacon und dem Seelzer Projekt: Seit 1912/1913 sei Avacon durchgehend der Netzbetreiber für die Stadt Seelze und engagiere sich dort in den Bereichen Kultur und Sport – so beteiligte sich der Netzbetreiber unter anderem an der Beleuchtung des Obentraut-Denkmals in Seelzes Ortskern. Daher ließ sich auch Frank Glaubitz von Tom Kruse schnell für die Unterstützung des Projekts begeistern.

Seelzes Bürgermeister Detlef Schallhorn betonte, dass das Jbo und vor allem das MSO ein Aushängeschild für die Stadt seien. Mit der Idee der musikalischen Hymne für Seelze habe der Verein „noch eine Schippe draufgelegt“. Daher unterstütze die Stadt das Projekt gerne. Er habe allergrößtem Respekt vor dem Einsatz der Initiatoren und eine Ahnung davon, wie viel Aufwand hinter so einem Projekt stecke, sagte Schallhorn.

Für alle Projektbeteiligten stand früh fest, dass der historische Kontext bei der Entstehung der Komposition eine wichtige Rolle spielen soll. Daher ist es schön, dass Stadtarchivar Norbert Saul, seit 1988 im Stadtarchiv tätig und Verfasser von Beiträgen zum Dreißigjährigen Krieg im Raum Seelze, seine Unterstützung zugesichert hat. Gemeinsam mit Schauspieler Rainer Künnecke habe er die Figur des Reitergenerals Obentraut entwickelt, die dann erstmals bei einer Stadtführung für die Seelzer der Gegenwart erlebbar war.

Rainer Künnecke spielt die Figur des Obentrauts bereits seit über zehn Jahren – auch zur Pressekonferenz kam er entsprechend gekleidet. Er sieht seine Aufgabe darin, die Person darzustellen, aber auch Seelzes Geschichte zu erzählen – auch über den Dreißigjährigen Krieg hinaus. Bei Stadtführungen, Stadtfesten, Messen und dem Stadtpokal ist der Reitergeneral anzutreffen. Auch das Theaterstück „Zeitreise“, das schon zehnmal aufgeführt wurde, macht die Figur erlebbar. Aus diesem Stück entwickelte sich ein Stammtisch und aus diesem wiederum ein Kontakt zur Stadt Stromberg in der Pfalz und deren Rittergilde. Michael von Obentraut, der in Seelze starb, wuchs auf der Stromburg auf. Die Stromberger zeigen bereits reges Interesse an den Entwicklungen in Seelze rund um das Projekt und man bleibt im Austausch – wer weiß, was sich daraus noch entwickelt. Rainer Künnecke hob hervor, dass es ihm als General eine große Ehre und Freude sei, das Projekt Obentraut-Hymne zu unterstützen – sowohl in seiner Rolle als auch als Privatperson. Er sei sehr gespannt, Einblicke in die Entstehung einer Komposition zu erhalten.

Auch die stellvertretende Vorsitzende des Jbo, Andrea Hoppe, ist gespannt auf das Projekt. Das Jbo und der Vorstand seien immer für verrückte Ideen zu begeistern. Dass nun aus dieser verrückten Idee ein konkreter Plan mit einer soliden Grundlage geworden sei („Wenn wir etwas anpacken, dann auch richtig!“), sei nur Dank engagierter Vereinsmitglieder möglich – allein aus dem Vorstand sei so ein Projekt nicht zu stemmen. Andrea Hoppe dankte auch noch einmal den Förderern, durch deren Unterstützung es nun an die Umsetzung gehen kann.

Zum Abschluss der Pressekonferenz gab Henning Klingemann, Dirigent des MSO, noch einige konkretere Einblicke in die Umsetzung. Er erzählte von der Komponistensuche. Dabei war ein Kriterium, dass der Komponist aus Deutschland oder einem näheren anderen europäischen Land kommen solle, da der Komponist auch Seelze und das Jbo besuchen kommen solle. Wichtig sei dem Projektteam, dass die Komposition dem MSO und den YoungStars auf den Leib geschneidert sei – der Komponist also beispielsweise bei einem Probenbesuch die Stärken und Schwächen des Klangkörpers kennenlernen und in seinem Werk berücksichtigen könne. Nicht ohne Stolz erzählte Henning Klingemann, dass alle fünf angefragten namhaften Komponisten von dem Projekt Obentraut-Hymne begeistert waren und den Auftrag angenommen hätten – letztlich spielte jedoch auch der Realisierungszeitpunkt eine ausschlaggebende Rolle, denn die Komposition sollte idealerweise im kommenden Jahr und nicht erst in zwei bis fünf Jahren fertiggestellt werden.

Den Zuschlag hat nun der Belgier Bert Appermont, ein in der internationalen Szene der sinfonischen Blasmusik sehr bekannter und vielgespielter Komponist, erhalten. Auch das MSO hat in der Vergangenheit schon Werke von ihm gespielt. Die Auftragskomposition solle eine Länge von ca. 10 Minuten haben, so Henning Klingemann. In ihr integriert gebe es dann eine Hymne von ca. 30 Sekunden, die auch losgelöst von dem großen Werk in verschiedenen Besetzungen gespielt werden könne, z. B. bei Veranstaltungseröffnungen in Seelze o.ä.

Die grobe Planung sieht vor, dass Bert Appermont noch in diesem Jahr nach Seelze kommt, um sich mit der Stadt, ihrer Geschichte im Allgemeinen und Reitergeneral Obentraut im Besonderen und mit dem Jbo mit seinen Orchestern vertraut zu machen – dafür sind u.a. eine kleine Stadtführung und ein Probenbesuch angedacht. Anschließend wird das Werk komponiert. Seine Uraufführung ist für den Sommer 2021 geplant – im Rahmen eines Konzertes und idealerweise vom Komponisten selbst dirigiert. Damit dies möglich ist, ist der Wunsch, dass Bert Appermont zuvor für ein Probenwochenende nach Seelze kommt, um das neue Werk – und ggf. auch einige weitere Stücke – mit den Musikern zu erarbeiten.

 

Der historische Hintergrund ist wichtiger Bestandteil der Komposition

 

Zum Abschluss der Pressekonferenz, in der es viele interessierte Nachfragen gab, ließ es sich Henning Klingemann nicht nehmen, die Beteiligten in die Tiefen einer Partitur einzuweihen und zu zeigen, welche Stilmittel ein Komponist anwenden kann, um Geschichte(n) auszudrücken.

Nun darf man gespannt sein, wie es mit der Geschichte „Obentraut. Wir schenken Seelze eine Hymne“ weitergeht – ein Happy End ist zu diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich.

(fr)

Hier geht es zum Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (paid)